Gehaltvoll: Die Wochen der Content Management Systeme

Content managen

Content Management Systeme scheinen gerade in der Luft zu liegen. Auf zwei Veranstaltungen hatten wir die Möglichkeit, uns bekannte und unbekannte Open Source CMS kennenzulernen und live zu erleben.

Der cms-garden auf der CeBIT

Vom 10. bis 14. März fand in Hannover-Laatzen die CeBIT statt. Halle 6 ist die Heimat der Open Source Software und der Anbieter, die damit arbeiten. Sehr zu empfehlen ist ein Besuch im CMS-Garden. 12 CMS wurden dem Besucher anschaulich erklärt: TYPO3, Joomla!, Wordpress, Contao, Contenido, REDAXO, Django, ScientificCMS, Plone, Drupal, OpenCms und papaya. Die Atmosphäre war freundlich und offen, keine Spur von Konkurrenz zwischen den Systemen.

Wer wollte, konnte sich eine Plattform direkt am Rechner vorführen lassen. Wir haben uns Plone näher angesehen. Es erschien 2002 und basiert im Gegensatz zu den Systemen, mit denen wir arbeiten, auf der Programmiersprache Python und einer eigenen objektorientierten Datenbank. Ähnlich wie TYPO3 ist es ein erklärtes Enterprise-CMS-Framework, liegt aber bei der Zielgruppe noch stärker im Bereich der öffentlichen Einrichtungen und des Intranets.

Insgesamt war es ein erfrischender Ausflug in die Welt der Content Systeme. Vielen Dank dafür und an dieser Stelle speziell an Maik Derstappen aus Leipzig für die freundliche und informative Tour durch Plone.

Der Webkongress 2014 in Erlangen

Nach der Reise an den Rand Norddeutschlands hatten wir das nächste Event in der Nachbarschaft: Das Regionale Rechenzentrum der Uni Erlangen-Nürnberg lud zum Webkongress 2014. Ursprünglich war es eine Tagung zur Barrierefreiheit – diesen Kern hat sich die Veranstaltung erhalten. Zusätzlich dazu standen dieses Jahr Content-Systeme und Responsive Design im Fokus. CMS-Größen wie Patrick Lobacher (TYPO3 Neos), Nikolai Schwarz (Drupal) und Vladimir Simović (Wordpress) präsentierten „ihr“ System. Der Contao3-Vortrag von Nina Gerling fiel wegen Krankheit leider aus.

TYPO3 Neos: Nomen est omen

Unter der Dachmarke TYPO3 finden sich TYPO3 CMS (was gemeinhin als TYPO3 bezeichnet wird), das Framework FLOW und TYPO3 Neos. Letzteres ist als eigenständiger Zweig ein komplett anderes System als TYPO3 6.2 und bietet daher viele Neuerungen, unter anderem:

  • Frontend und Backend rücken näher zusammen und zeigen sich mit einem komplett neuen Interface
  • Das objektorientierte TypoScript2 ersetzt TypoScript und beendet viele Inkonsistenzen und Unsicherheiten. Außerdem werden die Anweisungen in Dateien gespeichert und sind damit versionierbar und flexibler als bei einer Datenbankablage.
  • Workspaces sind fester Bestandteil von TYPO3 Neos. Die gibt es zwar schon heute, allerdings müssen sie separat eingerichtet werden.
  • Seitenbaum und Inhaltselemente wachsen zusammen zu einer Nodestruktur.
  • Inhalte können im Wireframe-Modus eingepflegt werden, bevor das Template steht.
  • Inplace-Editing bietet mehr Komfort als das Frontend-Editing von TYPO3.

TYPO3 Neos soll einfacher für Redakteure werden als das unübersichtlich wirkende Backend des TYPO3 CMS. Jeder soll auch von unterwegs Inhalte leicht veröffentlichen können. All die angesprochenen Funktionen rücken das neue System stärker in Richtung Blog als den „alten“ Zweig TYPO3 CMS mit der neuen Version 6.2.

Die Folien zum Vortrag von Patrick Lobacher gibt es auf Slideshare.

Drupal 8 kommt bald – was gibt es Neues?

Für uns die wichtigste Nachricht: Drupal 8 kommt mit weniger zusätzlichen Modulen aus als die vorigen Versionen. Die Politik, wichtige Module in den Kern zu übernehmen, setzt sich also fort. Im Kern sind jetzt zusätzlich enthalten

  • der CKEditor mit Bildverwaltung. Redakteure können also sofort mit einem komfortablen WYSIWYG-Editor loslegen.
  • Inhalte lassen sich jetzt inline und damit intuitiver bearbeiten.
  • Breakpoints zur Organisation von Responsive Design
  • der Feldtyp Entity Reference
  • und endlich auch Views

So lassen sich komplexere Objekte ohne Programmierung darstellen. Neu ist auch die Template-Engine Twig. Der ganze Vortrag von Nicolai Schwarz ist hier auf Slideshare erreichbar.

Kirby: Leichtgewichtig, dateibasiert und schnörkellos

Dennis Klappstein hat vorgeführt, wie Content Management Systeme ohne Datenbank funktionieren: Kirby arbeitet ausschließlich mit dem Dateisystem und kommt ohne Datenbank aus. Inhalte werden mit Markdown formatiert. Ein denkbar schlankes System, das dem Redakteur allerdings ein gewisses Abstraktionsvermögen abverlangt.

Fazit

Open Source CMS bieten für jede Nische etwas. Enterprise Projekte sind hier gut aufgehoben. Aber auf die richtige Auswahl fürs Projekt kommt es an. Beispiel: Wordpress kann durchaus große Websites betreiben. Sobald eine hierarchische Seitenstruktur (leicht pflegbar), Workflows und ein granulares Rechtemanagement im Vordergrund stehen, hat TYPO3 die Nase vorn. Bloggen mit TYPO3 ist dagegen gewöhnungsbedürftig, da das System seitenbasiert arbeitet und keine Artikelverwaltung an Bord hat. Drupal holt mit Version 8 gewaltig auf.

Nachtrag: Den Vortrag von Perun zu Wordpress gibt's jetzt auch auf Slideshare.

Bild: Marius Max Künzl

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Alexander Künzl

Alexander Künzl ist seit 2012 im Unternehmen und kümmert sich um Projektmanagement, Suchmaschinenoptmierung und Webmarketing. Das Content Management System seiner Wahl ist TYPO3.