TYPO3, Drupal, Wordpress: Welches ist das beste Content Management System?

TYPO3, Drupal, Wordpress

Open Source Content Management Systeme

Die gute Nachricht ist: Es gibt viele hervorragende Open Source Content Management Systeme. Und eigentlich können alle CMS (fast) alles. Hier findet Ihr eine in Deutschland beliebte Auswahl. Gewöhnlich stehen diese Systeme unter einer Lizenz, die die kostenlose Nutzung auch für kommerzielle Zwecke erlaubt. Open Source CMS haben den Vorteil, dass ihr Code offen liegt, von allen genutzt und damit jederzeit erweitert werden kann. Auch ein Wechsel zu einem anderen System oder zu einer anderen Agentur ist damit problemlos möglich: Es gibt keinen Vendor lock-In (Zwang, bei einem System oder Anbieter zu bleiben). Ihr behaltet den Zugriff auf Eure Daten. 

Welche Kriterien sind für die Auswahl wichtig?

Die schlechte Nachricht: Es gibt nicht das richtige CMS, die eierlegende Wollmilchsau. Jedes System hat seine Schwerpunkte, die meist in seiner Entstehungsgeschichte begründet liegen. Z.B.:

  • Wordpress startete als reines Blogsystem. Auch heute, da es zu einem vollwertigen CMS weiterentwickelt wurde, steht immer noch die einfache Dateneingabe im Vordergrund.
  • TYPO3 war schon von Anfang an ein CMS und ist heute im Enterprise-Bereich angesiedelt. Es ist als eines von wenigen Systemen seiten- statt artikelbasiert.
  • Drupal ist von Haus aus eine Community-Software.

Mit allen drei Systemen lassen sich fast alle Aufgaben bewältigen, nur unterscheidet sich der nötige Aufwand, je weiter sich die Anforderungen von den Kernqualifikationen des CMS entfernen.

Vor der Wahl des Systems für Eure Website solltet Ihr Euch also diese Fragen stellen:

  • Welchen Typ von Website plane ich?
  • Welche Anforderungen stelle ich, welche Features sollen umgesetzt werden?
  • Welche Muss-Kriterien gibt es?
  • Bei einem Relaunch aber auch: rechnet sich ein Systemwechsel?

Welchen Typ von Website plane ich?

Die Funktion Eurer Website gibt schon einmal die Möglichkeit, das CMS nach seiner Ausrichtung zu wählen.

  • Klassische Unternehmens-Website (statische Seiten in mehreren hierarchischen Ebenen und Sprachen, Texte, Bilder(galerie), News, Kontaktformular, im Backend Rollen und Workflows)
  • Blog (Artikelbasiert, schneller Wechsel der Informationen, Magazin)
  • Community (user generated content, Forum, Artikel, Kommentare, Umfragen, Benutzerregistrierung)
  • Website mit Katalog oder Shop (statische Seiten, News, Shopsystem mit Artikelpräsentation und ggf. Warenkorb)

Welche Features brauche ich?

Die meisten heute üblichen Anforderungen decken die genannten CMS (und viele andere) ab Werk oder mit wenigen, gut gepflegten Modulen ab.

  • Statische Seiten
  • Mehrere Menüs (Hauptmenü, Meta-Navigation, Breadcrumb)
  • Artikel mit Teaserlisten, Detailansicht und Kategorien (TYPO3 benötigt eine Extension)
  • Frei platzierbare Inhaltselemente, die pro Seite individuell angelegt werden können (Drupal und Wordpress brauchen hier Unterstützung)
  • Medienverwaltung
  • Suchmaschinenfreundliche URLs (TYPO3 benötigt eine Extension)
  • Seitenspezifische Meta- und Title-Tags (mit Typoscript geht es, sonst brauchen alle CMS ein Modul/eine Extension)
  • Ein WYSIWYG-Editor

Für alles, was darüber hinausgeht, sollten die Anforderungen des Projekts anaylisert und mit den Optionen, die die Content Managment Systeme bieten, abgeglichen werden. Im Idealfall deckt das Basis-System alle Anforderungen ab, denn zusätzliche Module, Plugins oder Extensions bedeuten einen zusätzlichen Pflegeaufwand. Wird in einem Zusatzmodul eine Sicherheitslücke entdeckt, sollte das Update dieses Moduls so schnell wie möglich eingespielt werden. Neben den Sicherheitsupdates des Kernsystems gilt es also, auch weitere Funktionen der Website zu beobachten und aktuell zu halten.

Software lebt und wird weiter entwickelt. Sie soll schneller, benutzerfreundlicher und besser erweiterbar werden. Das ist gut und optimiert auch Eure Website. Neue Versionen des CMS verändern die Kernfunktionen und nehmen oft auch bewährte Zusatzfunktionen in den Kern mit auf. Für alle zusätzlichen Module, Plugins, Extensions sind andere Entwickler zuständig, die ihr Produkt nicht immer gleich für die neue Version des CMS bereitstellen können. Wie gut, wenn das System, mit dem Eure Website läuft, schon möglichst viele Anforderungen im Kern abdeckt. Das Update ist dann einfacher und kostengünstig machbar.

Lohnt sich der Wechsel zu einem anderen System?

Der Relaunch einer Website ist ein willkommener Anlass, die Wahl des Content Management Systems zu überdenken. Vor * Jahren war das CMS "XY" erste Wahl, oder die Agentur kannte nur dieses System. Heute steht ein Relaunch an. Nutzt die Gelegenheit, diese Wahl auf en Prüfstand zu stellen. Ein Wechsel zu einem anderen CMS lohnt sich, wenn

  • das neue CMS die Anforderungen optimal abdeckt
  • und besonders gut gepflegt wird - Sicherheitslücken werden schnell erkannt und behoben
  • Eure Redakteure, die mit dem System täglich arbeiten, Vorteile haben

Ihr findet, es ist Zeit für ein neues CMS? Bei einem Wechsel des Systems sollten alle Kosten der Migration berücksichtigt werden. Das betrifft nicht nur den Export benötigter Inhalte aus der alten Website, sondern auch die Einführung der Redaktionsumgebung bei Euren Mitarbeitern. Oder die Anbindung an lokale Systeme wie ein CRM oder eine Warenwirtschaft. 

Und was ist mit einem Webbaukasten?

Da denkt meistens keiner dran, wenn er das erste CMS für seine Website auswählt: Wie komme ich an meine Daten, wenn ich das System wechseln will? Oder wenn ich zu einem anderen Provider umziehe? Dabei ist der Gedanke garnicht so abwegig: erst einmal klein anfangen - später können sich meine Anforderungen ja grundlegend ändern. Das Geschäft wächst, die Website wird zum Angelpunkt des Marketing, ein Shop muss her: wie gut, wenn das alte CMS seine Daten unbürokratisch und in einem allgemein verständlichen Format (SQL, CSV) herausrückt. Gerade Existenzgründer, die mit einem Websitebaukasten starten, sollten erst einmal klarstellen, ob sie ihre Inhalte auch wieder mitnehmen können, wenn der Baukasten einmal nicht mehr reicht. Besser greift Ihr doch gleich zu einem Open Source System auf dem eigenen (virtuellen) Server bei einem Provider Eures Vertrauens.

Bild: © enea2011, Fotolia

Bild des Benutzers ambranet

Susanna Künzl

Susanna Künzl leitet seit 1999 diese Agentur und beschäftigt sich hauptsächlich mit der Programmierung von CMS-Erweiterungen für TYPO3 und Drupal.

Kommentare

Hallo Susanna,
ich arbeite mit vielen verschiedenen OpenSource CMS und weiss aus Erfahrung, dass unser liebes Wordpress die Wünsche eines Blogbeginners voll und ganz abdecken kann. Wenn noch mehr im Spiel sein sollte, kann gerne mit dem Joomla oder dem Drupal arbeiten, weil Drupal auch ein Forum von Haus aus mitführt.

Die meisten Blogs bei mir sind auf WP aufgebaut, weil ich damit als Blogger gut arbeiten kann. Ich kann sehr gut damit bloggen, Foren werden mit eigenständigen OpenSource Forumtools umgesetzt und die Handhabung von Wordpress lässt keine Wünsche offen. Das sehe ich aber nicht als Entwickler, sondern als jahrelanger Nutzer dieses OpenSource CMS.

Drupal ist auch sehr gut und ein CMS im Vergleich zu den Anfängen von Wordpress. Sich mit anderen Bloggern vernetzen, kannst du weiterhin besser mit Wordpress, weil es auch diese Pingbacks gibt, auf die ich einen Wert lege.

Aus meiner derzeitigen CMS-Blogparade auf Internetblogger.de geht hervor, dass so gut wie jeder Wordpress nehmen würde. Typo 3 und Drupal oder auch Joomla tauchen nur minimal auf. Es hat sich demnach schon sehr herumgesprochen, dass WP gute Qualitäten von Haus aus mitbringt und dann noch diese grosse deutsche Fan-Community mit Helfern und den Entwicklern. Die Plugins sind nämlich das, was WP unschlagbar macht.

In meinen Augen gibt es das beste CMS so nicht, aber ein User muss nur wissen, welche Funktionen ein CMS haben muss, damit dieser dann damit dauerhaft arbeiten kann.

Bild des Benutzers ambranet

Hallo, Alex!

Da bin ich ganz bei Dir: Wenn es um ein Blog geht, ist Wordpress erste Wahl. Sobald die Anforderngen aber nicht mehr so eindeutig sind, wägen wir mit unseren Kunden diese Aspekte ab:

  • Welches CMS deckt möglichst mit Hausmitteln oder möglichst wenigen Plugins die Anforderungen ab?
  • Welches kommt einer geplanten Eigenentwicklung am besten entgegen, wenn Features neu programmiert werden müssen.
  • Welches CMS benutzt der Kunde bisher oder gerne, so dass möglichst keine Kosten für Migration und Schulung anfallen.

Hi,

ich nutze seit ein paar Monaten Wordpress für meinen Blog www.fobo.at und bin sehr zufrieden mit den Plugins und der Bedienbarkeit. Mit Joomla hatte ich vor einigen Jahren mal zu tun, muss aber im Vergleich sagen es war damals weit hinter Wordpress. Von der Bedienbarkeit konnte es mich damals nicht überzeugen. Dennoch finde ich es klasse, dass man bei Wordpress auch einfach und schnell PHP Code umbauen und ergänzen kann. Also für mich als Blogger bleibt Wordpress die Nummer 1.

lg clemens

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